Ultraschall
in der Schwangerschaft
Die moderne Ultraschalldiagnostik
stellt das Herzstück pränataler Diagnostik dar. Von der
Erkennbarkeit des Embryos (1 - 2 mm), den ersten Herzschlägen,
der zunehmenden Entwicklung seiner Organstrukturen bis hin
zur Überwachung von Versorgung und Wachstum im 2. Schwangerschaftsabschnitt
und der Überwachung der Geburt spielt die Sonographie
stets eine wichtige Rolle. Entsprechend den Mutterschaftsrichtlinien
sind 3 Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft vorgeschrieben:
I. Screening (9. - 12. SSW)
Im
1. Trimenon wird aufgrund der Größenverhältnisse
der detailgenaueren Vaginalsonographie der Vorzug gegeben.
Ziel der Untersuchung ist der sonographische Nachweis bzw.
Ausschluß der intrauterinen Lage der Schwangerschaft.
Der Fruchtblasennachweis gelingt ab dem 32. Tag post menstruationem
(2 mm Durchmesser). Die Darstellung des Embryos ist ab einer
Scheitel-Steiß-Länge von 2 mm möglich. Der
sonographische Herzaktionsnachweis gelingt in Einzelfällen
bereits ab dem 38./39. Tag post menstruationem und ist regelmäßig
ab der 7. SSW darstellbar. Über die Vitalparameter hinaus
ist zum Ende des 1. Trimenons die Beurteilung der Körperkontur
und der Anlage von 4 Extremitäten möglich. Ebenso
gehört die Suche bzw. Messung einer möglicherweise
vorhandenen Nackentransparenz (NT) zur Aufgabe dieser frühen
Ultraschalluntersuchung. Analog sind all diese Untersuchungskriterien
beim Nachweis einer Mehrlingsschwangerschaft bei jedem der
Kinder anzuwenden. Darüber hinaus ist es essentiell,
die Fruchthöhlen- und Fruchtblasenverhältnisse
von Mehrlingen zu beurteilen, über biometrische Messungen
(SSL, BIP, FH) ist die Korrelation zwischen rechnerischem
Schwangerschaftsalter (letzte Periode) und sonographisch
bestimmtem Schwangerschaftsalter in Beziehung zu setzen.
Durchführung:
Die Ultraschalluntersuchung im 1. Trimenon wird aufgrund
der Größe der Strukturen (Fruchtblase, Embryo,
Detailstrukturen) mittels einer vaginalen Ultraschallsonde
(7,5 MHz) durchgeführt. Die kürzere Vorlaufsstrecke
ermöglicht die Verwendung von höheren Frequenzen.
Neben der Inspektion der Gebärmutter und der sich
darin befindlichen Fruchtanlage gehört die Inspektion
der Gebärmutteraussenseite (Ausschluss Myome) und
der Eierstöcke obligat zur Untersuchung.
Indikationen:
- V. a. Frühgravidität (pos. Schwangerschaftstest,
sek. Amenorrhoe, Brustspannen)
- Vaginale Blutung in der Frühschwangerschaft
- V. a. Abortus imminens, incipiens, incompletus, completus,
missed abortion
- V. a. Extrauteringravidität
- V. a. embryonale Auffälligkeit
- Nackentransparenzscreening
II. Screening (19. - 22. SSW)
Grundlage dieser Ultraschalluntersuchung ist der detaillierte
Missbildungsausschluss. Der gewählte Zeitraum zur
Mitte der Schwangerschaft bietet den günstigsten Kompromiss
zwischen Grösse der Strukturen (Detailgenauigkeit)
und
Übersichtlichkeit. Die Durchmusterung sämtlicher
Organstrukturen des Fetus und die Beurteilung funktioneller
Abläufe sind Ziel der Untersuchung.
Technische Voraussetzungen:
Als Schallkopf kommt ein Sektor bzw. curved array Schallkopf
mit Frequenzen zwischen 3,5 und 8 MHz in Frage. Zusätzlich
sind die farbcodierte Dopplersonographie und Spektraldopplersonographie
zur Funktionsdiagnostik (Durchblutung) aber auch Erkennung
von komplexen anatomischen Details im Einsatz
Anforderungen an die Untersuchung:
Beurteilung sämtlicher Organstrukturen (ZNS, Gesicht,
Orbitae, Nase, Lippen, Kiefer, Profil, Wirbelsäule,
Thorax, Lungen, Herz, Magen und Darmtrakt, Nieren, Harnblase,
Nabelschnurgefäße, Extremitäten, Bauchwand)
Beurteilung der Plazenta (Sitz, Größe, Struktur)
Beurteilung der Fruchtwassermenge
ggf. Funktionsdiagnostik (Durchblutungsparameter Ateria uterina,
Gestosescreening)
fetale Echokardiographie
III. Screening 29. - 32. Schwangerschaftswoche
Nach der bereits detaillierten Organdarstellung
im 2. Trimenon kommt dieser Ultraschallkontrolle zu Beginn
des letzten Schwangerschaftsdrittels vorwiegend der Nachweis
einer zeitgerechten Organ- und Größenentwicklung
zu. Plazentalokalisation und Fruchtwassermenge und die
Bestimmung der fetalen Lage sind das Untersuchungsziel.
In der Schallkopfwahl
kann auf ähnliches
Instrumentarium wie im 2. Screening zurückgegriffen
werden. Bei ungünstigen Schallbedingungen (Verminderung
der Fruchtwassermenge, wenig schalltransparente Bauchdecke)
empfiehlt sich die Verwendung niedrigerer Schallfrequenzen
( 2,5-5 MHz).
Wie zur Zeit des zweiten
Screenings ist auch in diesem Gestationsalter eine detaillierte
Funktionssiagnostik (Dopplersonographie) im maternalen
wie auch fetoplazentaren Gefäßbett möglich und bei entsprechender
Indikation zielführend.
Invasive Pränataldiagnostik
Übersicht über die zur
Verfügung stehenden Verfahren:
- Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese)
- Chorionzottenbiopsie (CVS)
- Plazentozentese
- Nabelschnurpunktion (Chordozentese)
- Fetale Punktionen
Alle invasiven Eingriffe zur pränatalen Diagnostik sind
mit einem Risiko des Schwangerschaftsverlustes verbunden.
Die am häufigsten durchgeführte ist die Amniozentese,
eine transabdominelle Punktion der Amnionhöhle zur Fruchtwasserentnahme,
wird zur Bestimmung des kindlichen Chromosomensatzes und
der Bestimmung weiterer biochemischer Fruchtwasserbestandteile
(AFP, ACHE, Bilirubin), serologischer und Stoffwechseldiagnostik
durchgeführt. Der günstigste Zeitpunkt zur Durchführung
einer Standardamniozentese ist die 15./16. SSW. Frühamniozentesen
sind ab der 13. SSW beschrieben. Über eine transabdominelle,
ultraschallgesteuerte Punktion werden mit einer 0,7 mm dicken
Punktionsnadel ca. 20 ml Fruchtwasser gewonnen. Die punktionsbedingte
Fehlgeburtsrate liegt bei ca. 0,5 bis 0,7 % (Auslösen
vorzeitiger Wehen, vorzeitiger Blasensprung, Infektion, Blutung).
Als vorteilhaft bei
der Amniozentese läßt
sich die hohe diagnostische Sicherheit, das relativ niedrige
Eingriffsrisiko, die Möglichkeit der zusätzlichen
Bestimmung von biochemischen Parametern und die Diagnostik
an fetalen Zellen anführen. Des weiteren ist die Amniozentese
das am günstigsten in der Mehrlingssituation anzuwendende
invasive Diagnoseverfahren. Nachteilig wirkt sich die lange
Auswertungszeit (Ausnahme FISH-Diagnostik) aus. Rhesusnegativen
Müttern wird als Nachbehandlung eine Prophylaxe mit
Anti-D und allen Müttern eine mäßige körperliche
Schonung für ca. 1 Woche empfohlen.
Chorionzottenbiposie (CVS):
Die Punktion des Mutterkuchens transabdominell mit einer
0,9 mm messenden Punktionsnadel dient der Entnahme von Zellen
der Plazenta (Chorion frondosum). Günstigster Zeitpunkt
dieser Untersuchung ist die 11. bis 13. SSW. Die Durchführung
der Chorionzottenbiopie entspricht in weiten Zügen der
Amniozentese. Die eingriffsspezifische Komplikationsrate
(Schwangerschaftsverlust) ist bei ca. 1 % anzusetzen. Als
Vorteil der Chorionzottenbiopsie ist der frühe Zeitpunkt
der Diagnostik und die raschere Auswertbarkeit des Untersuchungsmaterials
zu nennen. Nachteilig entfällt die Möglichkeit
der biochemischen und serologischen Diagnostik. Zudem werden
nicht fetale Zellen direkt, sondern Gewebe des Mutterkuchens
untersucht (Fehleinschätzungen durch Mosaikbildung selten
aber möglich). Die Durchführung nach Punktion erfolgt
analog zur Fruchtwasserpunktion.
Nabelschnurpunktion (Chordozentese):
Es handelt sich dabei um die transabdominale Punktion der
Nabelschnur. Geeignet hierfür ist der plazentare oder
der umbilikaleNabelschnuransatz . Die Nabelschnur ist schmerzunempfindlich,
somit ist eine fetale Analgesie nicht notwendig. Die Punktion
der Nabelschnur ist ab der 18. SSW möglich. Untersuchungsmaterial
ist das fetale Blut, so daß zusätzlich zur raschen
Chariotypisierung auch Blutbilddiagnostik (Anämie bei
Rhesusinkompatibilität oder Ringelrötelinfektion)
möglich ist. Aus dem diagnostischen Aspekt der Nabelschnurpunktion
können sich auch verschiedene therapeutische Möglichkeiten
(Bluttransfusion, medikamentöse Therapie) ergeben. Die
Nabelschnur wird mit einer 0,9 mm dicken Punktionskanüle
punktiert und ca. 3 bis 5 ml fetales Blut entnommen. Die
Durchführung und Nachbehandlung entspricht der Amniozentese
bzw. Chorionzottenbiopsie. Die Komplikationsrate beträgt
ca. 2 % (je nach Risikokonstellation bis zu 20 %). Vorteilhaft
erweist sich die rasche Chromosomenanalyse und relativ geringe
Komplikationsrate bei der Möglichkeit, auch therapeutisch
intrauterin aktiv zu werden. Für alle genannten invasiven
Punktionsverfahren ist weder eine mütterliche noch die
kindliche Anästhesie erforderlich.
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